Jambo,

die ersten zwei Monate sind geschafft und es gibt einiges zu erzählen aus Tansania. Aber ich fange von vorne an:

Von Frankfurt ging es mit Quatar Airways über Doha nach Dar es Salaam, unserem ersten Ziel in Tansania. Dort wurden wir sehr herzlich in Empfang genommen.

Die Autofahrt vom Flughafen zum Haus der Ordensschwestern, in dem wir die ersten zwei Wochen mit Sprache lernen beschäftigt sein sollten, bot gleich das nächste Highlight. Da Verkehrsregeln bzw. Schilder oder Ähnliches absolut überbewertet zu sein scheinen, wird eben gefahren, wo gerade Platz ist. So wird aus einer zweispurigen Fahrbahn schnell mal eine dreispurige oder anstatt zu bremsen wird gehupt. Ist ja auch einfacher. Jedenfalls ist hier ein Wahnsinns Verkehr und man steht sehr oft im Stau. Nichts desto trotz haben wir unser Ziel erreicht und waren gleich wieder beeindruckt. Diesmal vom Haus der Ordensschwestern, das extra als Anlaufstelle für an- und abreisende Gäste in der „Hauptstadt“ gebaut wurde.

Am Montagmorgen ging es nach dem Frühstück auch sofort los mit unserem Sprachkurs. Morgens gab es Unterricht in einem Zimmer im Haus mit Hilfe eines Flipcharts. Nachmittags erkundeten wir mit unserem Mwalimu die Umgebung. Mwalimu heißt auf Suaheli ‚Lehrer‘. Wir nannten ihn Mwalimu, da wir seinen Namen nicht aussprechen konnten. Er erklärte uns, wie Pflanzen, Früchte, Gegenstände, usw. heißen. Auch Situationen haben wir bei ihm nachgespielt um das Sprechen zu üben.

Das erste Mal richtig Kontakt mit Einheimischen hatte ich bei der Besichtigung einer Schule. Vor der Schule liegt ein Fußballfeld und einige Kids waren auch schon am kicken, und wir haben sofort mitgespielt. Leider habe ich bei einem Torschuss den Pfosten getroffen, der daraufhin in drei Teile zerbrochen ist. Aber alles kein Problem in Afrika. Neben dem Spielfeld lag schon Ersatz. Der Baumstamm wurde ausgetauscht, die Schnur, die als Latte dienste wieder befestigt und weiter ging´s.

Sehr gefallen haben uns auch die Ausflüge: Der erste Ausflug führte uns an den indischen Ozean, 80 km nördlich von Dar es Salaam. Natürlich hatten wir unsere Badesachen mit und sprangen sofort ins Meer in der Hoffnung, wir bekämen eine Abkühlung, aber weit gefehlt. Bei gut 27 Grad C Wassertemperatur war nicht viel mit abkühlen. Natürlich haben wir trotzdem ein bisschen geplanscht, bevor wir in Bagamoyo Essen gingen.

Beim zweiten Ausflug bekamen wir Tiere in freier Wildbahn zu sehen, die wir bisher nur aus dem Zoo kannten. Auf dem Weg nach Morogoro sind wir in den Mikumi-Nationalpark abgebogen. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich nur wenige Meter von freilebenden Giraffen, Elefanten, Zebras, Antilopen, Gnus, Affen und Löwen entfernt. Ich konnte sie ohne Glasscheibe oder Gitter betrachten. Wahnsinn. Es war schon sehr beeindruckend, wie ruhig die Tiere blieben, als wir mit dem Auto vorbei gefahren sind. Leider waren wir nur 1, 5 Stunden im Park, da es gegen 18 Uhr schon dunkel wird.

Nach 2 Wochen ging es dann endlich los Richtung Peramiho, meinem Zielort für ein Jahr. Die 1000 km lange Busfahrt ins Landesinnere nach Songeu dauerte 14,5 Stunden und verliefe ohne nennenswerte Ereignisse. Die Straßen waren durchweg geteert, weshalb das Gerumpel sich in Grenzen hielt. Von Songeu waren es dann nur noch 20 Minuten bis Peramiho.

In Peramiho wohnen wir in einem Häuschen, das für zwei Personen optimal ist - eine Küche mit Speiseraum, 2 Schlafzimmer, Bad, Klo, ein großes Wohnzimmer, eine Terrasse und sogar einen Kamin, falls es doch mal kalt werden sollte. Ich bin sehr froh, dass wir in unserem Haus ein Bett haben, das zwei Meter lang ist, denn bisher hatten die Betten immer nur eine Länge von 1,90 m. Das war immer etwas eng und ich musste mich quer ins Bett.

Unsere Hauptaufgabe liegt allerdings in der Arbeit auf der Farm. Meine Mitbewohnerin hat sich für die Hühnerfarm entschieden, auf der sie gleich mal von den einheimischen Mitarbeitern (nur Männer!!), zur Chefin gemacht worden ist. Sie hat die Schlüssel in die Hand gedrückt bekommen und muss jetzt jeden Morgen auf-, bzw. jeden Nachmittag abschließen. Zudem wird sie zu jeder Eierzählung und jedem Hühnerverkauf zum überprüfen, abzeichnen und manchmal auch zum verhandeln geholt (ohne wirkliche Sprachkenntnisse). Ihre Hauptaufgabe liegt aber darin, die 2000 Legehennen und die 1500 Broiler zu füttern, Eier einzusammeln und die Ställe auszumisten.

Ich habe meine ‚Berufung‘ in der Metzgerei gefunden. Dort passe ich wohl auch ganz gut hin, weil dort einige Chaoten zu Werke gehen. Die Gespräche drehen sich um Mädels, Disco und Musik. Ihr habt's euch sicher schon gedacht und ihr habt recht. Bei mir arbeiten auch nur Männer. Wir stellen Mett-, Paprika- und eine Art Salamiwurst her, sowie Frankfurter, Lyoner und geräucherten Schinken. Außerdem kann das Fleisch auch so zum Grillen oder Braten gekauft werden.

Daneben geben wir zweimal die Woche Basketballtraining für die Mädchen, und ab und an spiele ich Fußball mit den Jungs von der Berufsschule.

Nachdem ihr jetzt einen Überblick über unseren Tagesablauf habt, erzähl ich euch noch was so außertouriges bisher passiert ist. Einmal waren wir beim Fußballspiel Songea gegen Dar es Salaam (Azam). Es waren gut 1000 Fans im Stadion in Songea, und wir mittendrin. Die Tore hatten Netze und das Feld Linien. Der Platz war ein sandiger Bolzplatz, aber dafür die Eckfahnen wie in Europa. Der Eintritt hat 2000 Schilling gekostet, was umgerechnet 1 Euro ist.

An einem Freitag besuchten wir eine Hochzeit. Sie hat um 10 Uhr vormittags begonnen, weshalb die Arbeit an diesem Tag für uns ausgefallen ist. Der Gottesdient hat gut 2 Stunden gedauert und hat 2 Hochzeiten und eine Taufe beinhaltet. Er war sehr schön. Danach war singen und tanzen vor der Kirche angesagt, bevor es dann zum Essen ging. Vor dem Haus des Brautpaares hat ein DJ Musik aufgelegt und die komplette Nachbarschaft und Freunde haben getanzt. Außer Bräutigam, Braut und dessen Angehörigen. Die saßen drinnen und haben stumm gewartet. Etwas seltsam, aber naja. Andere Länder, andere Sitten. Etwas später gab's dann die erste Geschenkübergabe, welche auch tanzend und singend über die Bühne gegangen ist. Die Abendgestaltung bestand außerhalb des Hauses, für Nachbarn und Freunde, aus tanzen, ein DJ hat wieder aufgelegt. Im Inneren des Hauses gab es nach dem Abendessen einen zweiten DJ, welcher für die Familie aufgelegt hat, und einen Moderator, der durch den Abend geführt hat. Zuerst wurden die Familien vorgestellt, dann die anderen Gäste. Um 24 Uhr gab es dann ein Nachtmahl und danach gab's die zweite Geschenkübergabe, bei der hauptsächlich die Familie ihre Geschenke überreichte.

An einem anderen Wochenende fuhren wir nach Mbinga, um Freunde zu besuchen. Die Anreise war sehr abenteuerlich, aber die Landschaft sehr schön. Das Land ist sehr hügelig und selbst in der Trockenzeit sieht man viel Grün. Die Straße war leider nicht geteert und wir saßen direkt hinter dem Fahrer, weshalb wir die Füße kaum bewegen konnten. 3 Stunden hat die Fahrt gedauert, aber es hat sich gelohnt. Wir waren gleich wieder auf einer Hochzeit, bei der der drei Paare getraut, 16 Personen getauft und 10 Personen gefirmt wurden.

Soweit geht es mir also gut und ich habe mich sehr gut eingelebt in Tansania. Die Sonne scheint jeden Tag und wir haben knapp über 30 Grad Celsius. Alle Leute sind hier nett und höflich. Manchmal ist das ein seltsames Gefühl, wenn fremde Menschen gleich mit dir beste Freunde sein wollen, aber wenn man nicht darauf eingeht und höflich bleibt, ist das auch kein Problem. Aus der Heimat fehlt mir persönlich, abgesehen von den Menschen die ich gern um mich hätte, ein bisschen die Einfachheit, was Besorgungen angeht; das Abendprogramm, das hier mehr oder weniger nicht vorhanden ist, und die Vielfalt. Es gibt fast jeden Tag Kartoffeln, und man bekommt eben viele Dinge nur sehr schwer, wie beispielsweise Deo oder ähnliche Alltagsgegenstände. Das ist alles etwas ungewohnt. Man merkt hier schon nach wenigen Wochen, dass man doch ‚deutscher‘ ist, als man das manchmal wahrhaben möchte. Dazu gehört auch das langsame Leben und dass meistens erst mal nichts passiert, wenn man etwas möchte. Zum Beispiel haben wir eineinhalb Wochen auf den ‚Internetmenschen‘ gewartet und hatten insgesamt drei Termine, bis er dann beim vierten eine Mitfahrgelegenheit hatte und zu uns kommen konnte. Aber mit dieser Langsamkeit lernt man schnell umzugehen.

Ich freue mich auf die weitere Zeit, die ich noch in Tansania verbringen werde!

Kwaheri aus Tansania